Magst Du Dich und Dein Berufsleben kurz vorstellen?

 

"Ich bin 44 Jahre alt und habe 28 Jahre, seit Beginn meiner Ausbildung, im gleichen Geschäft gearbeitet. Ich hatte dort eine leitende Position, welche ich sehr gerne und erfolgreich ausgeübt habe. Nachdem für diese Filiale 2015 die Entscheidung getroffen wurde, dass sie zum Frühjahr 2016 geschlossen wird, stand ich vor der Wahl: Versetzung in eine umliegende Filiale - oder einen Neustart wagen?

Da ich mir eine Versetzung in eine neue Filiale nicht vorstellen konnte, entschied ich mich, mich neu zu orientieren und etwas ganz Neues auszuprobieren.

Im November 2015 wechselte ich von einer Einzelhandelstätigkeit zum Sozialwesen. Der neue Job hat im weitesten Sinn immer noch mit Handel und Verkaufen zu tun, was aber zweitrangig ist. Hier wird Teilnehmern mit verschiedensten sozialen Vermittlungshemmnissen (Sprachbarriere, Suchterkrankung, Depression etc.) die Möglichkeit geboten, sich für die Tätigkeiten des ersten Arbeitsmarktes zu erproben."

 

Bist Du zufrieden und erfüllt, bezogen auf Deinen Beruf? Wie würdest Du Deine Antwort begründen?

 

"Grundsätzlich könnte ich mir ein Leben ohne Arbeit zu jeder Zeit vorstellen. Ich arbeite, um davon zu leben, mein Leben wird aber nicht meiner Berufstätigkeit untergeordnet. Dennoch war bei der Berufswahl vor 28 Jahren - wie auch bei der jetzigen Entscheidung des Berufswechsels - wichtig für mich, dass ich mich mit meiner Tätigkeit identifizieren kann. Ich gehe sehr gerne zur Arbeit, gehe täglich gerne dorthin."

 

Welche Aspekte spielen aus Deiner Sicht eine wichtige Rolle bei der Zufriedenheit am Arbeitsplatz?

 

"Zufriedenheit ist das, was man aus den Gegebenheiten macht. Sicherlich gibt es immer Punkte, mit denen man nicht übereinstimmt, die einen auch mal nerven, dennoch ist es wichtig, sich auf die Gegebenheiten einzulassen und nicht ständig auf die bestehenden Strukturen zu schimpfen."

 

Hast Du schon Glückskiller beobachtet im Berufsleben, bei Dir oder bei anderen? Magst Du ein Beispiel ausführen?

 

Ein Glückskiller, den ich in meiner Zeit vor der Leitungstätigkeit oft erlebte, war beispielsweise, dass gute Leistungen viel zu oft übersehen wurden, während 'schlechte' Leistungen bzw. Fehler einen riesigen Stellenwert bekamen und bis zur Unendlichkeit diskutiert wurden."

 

Was tust Du selbst dafür, um glücklich zu sein bei der Arbeit?!

 

"Als Leitung halte ich gute Stimmung in meinem Team wie auch einen respektvollen Umgang miteinander für unabdingbar. Differenzen sollten angesprochen und geklärt werden. Teamgespräche und ein respektvoller Umgang mit den Teilnehmenden, sowie das Gefühl, ernst genommen zu werden, trotz der multiplen Vermittlungshemmnisse - schaffen eine gute Grundlage, am Ende des Arbeitstages sagen zu können: WIR haben es gut gemacht."