Magst Du Dich und Dein Berufsleben kurz vorstellen?

"Hallo, ich arbeite seit über 20 Jahren als Krankenschwester in einem Krankenhaus. Wie man das so kennt, im Schichtdienst, und manchmal auch in der Nacht. Im Laufe der Zeit habe ich einige Fachabteilungen kennengelernt."

 

Bist Du zufrieden und erfüllt, bezogen auf Deinen Beruf? Wie würdest Du Deine Antwort begründen?

"Das ist nun etwas schwierig, denn ich kann sagen, dass diese Arbeit schön ist und mich auch erfüllt, aber ich muss auch sagen, dass ich unzufrieden bin. Das hat zum großen Teil mit der Gesundheitspolitik zu tun, die einen Patienten nicht als Menschen wertschätzt, sondern eher als Wirtschaftsfaktor betrachtet.

Das heißt, wie in anderen Bereichen auch wird ständig auf Geld und Schnelligkeit geachtet und weniger auf Gründlichkeit, Zuverlässigkeit, Menschlichkeit." 

 

Welche Aspekte spielen aus Deiner Sicht eine wichtige Rolle bei der Zufriedenheit   

  • "Zeit haben! Für Mitarbeitergespräche, für Patienten, für Angehörige! 

  • Mehr Mitsprache und eine bessere Kommunikation innerhalb der Organisation. 

  • Zufriedene Mitarbeiter sind seltener krank und bringen sich mehr ein. 

  • Anerkennung. Respekt. Wertschätzung. 

  • Genauso wichtig ist aber die eigene Grundeinstellung. Wer alles schwarz sieht, dem ist nur schwer zu helfen!"

 

Hast Du schon Glückskiller beobachtet im Berufsleben, bei Dir oder bei anderen? Magst Du ein Beispiel ausführen?

"Ja! Hier einige Beispiele:

  1. Manche Menschen haben anscheinend eine negative Grundeinstellung und schaffen es, andere damit „runterzuziehen“.

  2. Eine Anstrengung, die nicht belohnt wird. Ich habe mich einmal sehr für einen Patienten bemüht, damit er schneller in eine Rehaeinrichtung verlegt werden konnte. Es ist schon etliche Jahre her, ich weiß noch, dass ich gerannt bin für irgendwelche Papiere, aber letztlich hat es nicht geklappt und er musste noch ca. eine Woche länger warten. Ich war enttäuscht.

  3. Ich weiß nicht, ob es hier hineinpasst, auf jeden Fall empfinde ich Müdigkeit als Stressor, was dann wieder ein gutes Gefühl verhindert."

 

Was tust Du selbst dafür, um glücklich zu sein bei der Arbeit?!

"Einmal versuche ich, gut für mich selbst zu sorgen, also z. B. Arbeiten zu ergattern, die ich gerne mache oder mir etwas Leckeres für die Pause mitzunehmen.

Ich versuche, eine gute Stimmung im Team zu erhalten, aber auch nicht immer, nicht um jeden Preis.

Meinen Kollegen einen Gefallen tun, ihn/sie aussuchen lassen, was er/sie tun möchte oder eine unangenehme Arbeit erledigen. Wenn ich sehe, dass es Kollegen gut geht und sie sich freuen, geht es mir auch gut!"

 

Welche äußeren Rahmenbedingungen wünschst Du Dir von Politik, Wirtschaft und den Führungsverantwortlichen für glückliche Arbeitnehmer?

"Weniger „Finanzen“, mehr Fachkompetenz, mehr Weitsichtigkeit.

Einfache Strukturen. Mehr Gleichberechtigung.

Letztendlich auch weniger Gehaltsunterschiede. Das heißt nicht, dass wir unbedingt mehr verdienen müssen!

Wir brauchen keine „Qualitätsmerkmale“ und Zertifikate, sondern Menschen, die Qualität dem Menschen andienen!

Von vornherein eine altersentsprechende Arbeitseinteilung, ein 60Jähriger kann nicht die gleiche körperliche Arbeit verrichten wie ein 20Jähriger. Das sollte von der Ausbildung bis zur Rente schon erkennbar sein."