Magst Du Dich und Dein Berufsleben kurz vorstellen?

 

„Ich bin alleinerziehen, Mutter von zwei älteren Söhnen (26 und 22 Jahre) und habe noch eine 14jährige Tochter, die bei mir lebt. Durch große und auch schmerzhafte Herausforderungen in meinem Leben habe ich mich persönlich entwickeln dürfen, ich hatte lange Zeit einen Partner mit narzistischer Persönlichkeitsstörung. Nach dem endgültigen Schluss-Strich habe ich alles sehr gut (mit viel toller professioneller Unterstützung) verarbeitet und mich endlich getraut, aus meiner Unsicherheit herauszutreten und mein Potenzial als Mensch, Mutter, Freundin und Begleiterin zu leben. Beruflich begleite ich Menschen mit Demenz, die noch zu Hause leben. Das ist ein sogenanntes „niederschwelliges“ Angebot der Caritas, ich besuche diese Menschen in ihrer Wohnung, unterhalte mich mit ihnen, wir machen gemeinsam Spaziergänge oder spielen etwas, ich versuche die Erinnerungen und die verbliebenen Fähigkeiten dieser Menschen zu aktivieren und zu bewahren. Die Menschen sollen sich weiterhin wertvoll fühlen, das vermittele ich ihnen in Gesprächen und ich motiviere sehr viel. Manchmal begleite ich sie bis zu ihren letzten Momenten. Ich nutze meine Sensibilität und gehe auf die seelischen Bedürfnisse, die sie haben, gerne ein.“

 

Bist Du zufrieden und erfüllt, bezogen auf Deinen Beruf? Wie würdest Du Deine Antwort begründen?

 

„Ich bin zufrieden und erfüllt, weil ich unglaublich viel zu geben habe, das darf ich in meinen Beruf leben und erhalte auch unheimlich viel zurück, direkt in diesen Momenten, das drücken die Menschen sehr deutlich aus. Ich habe so, auch wenn es etwas verträumt klingt, das Gefühl, etwas Gutes zu tun. Ich möchte so etwas wie Liebe in diese Welt hineingeben, die ja oft genug Trauriges und Leidvolles hervorbringt. Ich möchte in einer Welt voller Liebe leben, und der erste Schritt ist, selbst damit anzufangen. Mich leitet und begleitet der Spruch: Sei der Mensch, den Du selbst gerne treffen möchtest. Das monatliche Gehalt, welches ich für meine Arbeit bekomme, ist schon recht niedrig und ich würde gern mehr verdienen, um meiner Tochter mehr zu ermöglichen und mich fortzubilden. Aber so ist das halt, ich akzeptiere es, denn ich kann zumindest meine Berufung leben.“

 

Welche Aspekte spielen aus Deiner Sicht eine wichtige Rolle bei der Zufriedenheit am Arbeitsplatz?

 

„Dass die Arbeit einen erfüllt und Sinn macht. Für viele Menschen ist auch der materielle Aspekt wichtig, aber ich stelle die tiefe Befriedigung an die erste Stelle. Ich habe im Freundeskreis sehr reiche Menschen, und ich sehe, Geld ist einfach nicht alles. Die Wertschätzung des Vorgesetzten finde ich auch einen wichtigen Aspekt. Ein Mensch, der nicht gelobt und anerkannt wird, der ist auf Dauer doch frustriert und ausgebrannt.“

 

Hast Du schon Glückskiller beobachtet im Berufsleben, bei Dir oder bei anderen? Magst Du ein Beispiel ausführen?

 

„Ja, habe ich. Zum Beispiel Mobbing: Menschen, die mit sich selbst nicht zufrieden sind und andere im Berufsleben runterdrücken, um sich selbst besser zu fühlen. Früher konnte ich mich weder gegen sie wehren noch mich gut abgrenzen. Heute verstehe ich, dass das auch Menschen sind, die in sich unglücklich sind und nicht anders können. Ein weiterer Glückskiller ist ungerechte Behandlung, egal ob unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Beschäftigten.“

 

Was tust Du selbst dafür, um glücklich zu sein bei der Arbeit?!

 

„Ich schaffe mir im Privaten meinen Ausgleich in Form von Meditation und Naturerleben, ich gehe viel raus an unberührte Orte und das gibt mir total viel Kraft. Ich führe gute und wichtige Gespräche mit engen Freunden, die mich nähren und inspirieren. Ich lese viel und ich brauche auch ab und zu das Allein-Sein, um mich wieder ganz aufzuladen und bei mir zu sein. Ich glaube, in unserer Freizeit sollten wir ECHTE Entspannung suchen, manches wie zum Beispiel vorm TV sitzen habe ich als Ablenkung empfunden, die nicht wirklich meiner Gesundheit dient. Wenn ich im Arbeitsalltag erkenne, dass ich etwas definitiv zu viel ist für mich, dann setze ich Grenzen.“

 

Welche äußeren Rahmenbedingungen wünschst Du Dir von Politik, Wirtschaft und den Führungsverantwortlichen für glückliche Arbeitnehmer?

 

„Eine entsprechende Entlohnung, von der man gut leben kann. Wertschätzung und Anerkennung auf der menschlichen Ebene sind mindestens genau so wichtig.“