Magst Du Dich und Dein Berufsleben kurz vorstellen?

„Ich bin 52 und arbeite in einem großen Pflegeheim. Ich habe hier als Putzfrau angefangen, als ganz junges Mädchen, ohne irgendeine Ausbildung - hab dann schnell erkannt, dass das nicht meins ist. Also machte ich eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin (da habe ich normal gearbeitet und nach der Arbeit dann noch für die Prüfung gebüffelt) und habe mich in der Hauswirtschaft auf eine freie Stelle beworben. Das machte schon viel mehr Spaß. Ich habe die Menschen, die auf einem Wohnbereich lebten, mit Essen versorgt. Zusätzlich, um auf eine volle Stelle zu kommen, habe ich noch stundenweise in der Großküche mitgeholfen. Das habe ich 11 Jahre lang gemacht, mit viel Freude, denn wir waren damals ein super Team und haben alle Hand in Hand gearbeitet.

 

Irgendwann wurde dann in der Einrichtung eine Stelle ausgeschrieben, bei der eine Person mehr Verantwortung und Koordination tragen sollte für den Bereich des Hauswirtschaftlichen Managements. Eine Kollegin meinte: „Mensch, das wäre doch was für dich!“ Erst wollte ich mich nicht bewerben, zweifelte an mir, ob ich das wohl könnte. Aber diese Kollegin hat mich bestärkt und mir sogar die Bewerbung geschrieben. Sie hat mich richtig bedrängt, aber das war gut so. Sonst hätte ich mich niemals getraut. Ich wurde dann eingestellt und kam ziemlich gut zurecht, weil ich ja die Einrichtung und alle Abteilungen kannte. Nach und nach bekam ich mehr Aufgabenbereiche. Heute bin ich Koordinatorin mit Personalverantwortung und einem sechsstelligen Etat für den Bereich Wohnen und Service und kümmere mich um die Organisation der gesamten Wäscheversorgung und der Hausreinigung, vom Fensterputzer bis zur Grundreinigung, Renovierungsbedarf, jahreszeitliche Dekoration im ganzen Haus, Dekoration von Festen und Feiern und vieles vieles mehr.“

 

 

Bist Du zufrieden und erfüllt, bezogen auf Deinen Beruf? Wie würdest Du Deine Antwort begründen?

„Wie soll ich das sagen… Eigentlich finde ich meinen Job toll, weil er sehr abwechslungsreich ist, jeder Tag ist anders, ich weiß nie, was genau ansteht. Ich kann meinen Tagesablauf selbst planen und habe viel Entscheidungsfreiheit. Das macht mich schon sehr zufrieden.

Andererseits gibt es in mir so ein Gefühl, „ich bin noch nicht ganz am Ende“, es ist vielleicht noch ein beruflicher Weiterentwicklungswunsch in mir. Das kann ich aber für mich noch nicht klar benennen. Durch die vielen Erfahrungen im Beruf weiß ich, wer ich bin und was ich kann. Das ist ein gutes Gefühl. Ich spüre, ich habe auch noch Lust, mich weiterzubilden.“

 

Welche Aspekte spielen aus Deiner Sicht eine wichtige Rolle bei der Zufriedenheit am Arbeitsplatz?

„Die Zusammenarbeit als Team ist für mich total wichtig. Wenn das nicht funktioniert, bleibst du auf der Strecke. Wenn ich nicht Hand in Hand arbeite mit den anderen Abteilungen, dann kann ich meine Aufgaben nicht erfüllen.“

 

Hast Du schon Glückskiller beobachtet im Berufsleben, bei Dir oder bei anderen? Magst Du ein Beispiel ausführen?

„Ich habe Neid erlebt von Kollegen, das war wirklich hart und hat mich runtergezogen. Meinen Wechsel von der Wohnbereichshilfe zur Koordinatorin konnten nicht alle Kollegen innerlich akzeptieren und gönnen, ich hatte das Gefühl, sie haben „dagegen gearbeitet“. Darunter hat natürlich meine persönliche Zufriedenheit gelitten. Aber das habe ich überwunden.

Eine Zeit lang wurde hier auch gern gelästert (halt so ganz allgemein, eine eher negative Stimmung), das verschlechtert enorm die Arbeitsatmosphäre. Ich habe in der Zeit weiterhin versucht mein Ding zu machen und meinen Job gut zu machen. Ich blieb neutral, das half mir, nicht zu viel Energie zu verlieren. Man selbst ist dann auch kein Gesprächsthema. Mittlerweile ist es aber ganz entspannt und die negative Phase ist vorbei.“

 

Was tust Du selbst dafür, um glücklich zu sein bei der Arbeit?!

„Ich muss sagen, ich bin ehrgeizig. Aber in einem guten Sinne. Ich gebe mir Mühe und lege einen hohen Maßstab ab, dann setze ich es um und bin happy über das Ergebnis. Das ist eine schöne Erfahrung – denn es profitieren ja die alten Menschen davon, die hier leben. Meine Lebenseinstellung hilft mir auch: Ich bin mit dem zufrieden, was ich habe. Das ist unheimlich kraftspendend. Mein Privatleben ist sehr schön und ausgeglichen, und ich bin von meiner Persönlichkeit her ein fröhlicher und lebenslustiger Mensch, das trägt mich ungemein. Klar habe ich auch mal schlechte Laune auf der Arbeit, aber das gibt sich halt schnell wieder.“

 

Welche äußeren Rahmenbedingungen wünschst Du Dir von Politik, Wirtschaft und den Führungsverantwortlichen für glückliche Arbeitnehmer?

„Mein Chef ist sehr sozial eingestellt und versucht, durch nette Aufmerksamkeiten seine Mitarbeiter zu motivieren. Da ist zum Beispiel der Mitarbeiterbrunch zu Beginn des Jahres, mal Eis in der warmen Jahreszeit, eine Mitarbeiterfete und auch mal gratis Rücken-Massagen für das Personal. Das könnten die Kollegen ruhig noch mehr annehmen und sich drüber freuen. Ich wünsche mir, dass gute Mitarbeiter Wertschätzung und Stärkung erfahren. Es gibt genauso auch die Mitarbeiter, die ein Team schwächen, da sollte es auch Konsequenzen geben, z. B. mal ein ehrliches Kritikgespräch. Wenn wir alle an einem Strang ziehen, dann wird es gut.“